Das Arbeitsleben (2019 – 2020)

Nach zweieinhalb Wochen Sicherheitsquarantäne fühlte ich mich so unnütze und fand keinen Sinn mehr. Als dann auch noch die Seniorin bei mir zu Hause anrief, über die ich bei meiner Qualifikation die Biografie geschrieben habe und sie sagte, wie sehr ich an der Arbeit fehle, wurde dieses Gefühl noch stärker! Ich bin mir sicher, wenn ich meine Familie, die in dieser Zeit mein einziger Lichtblick war, nicht gehabt hätte, wäre ich gegen ärztlichen Rat zur Arbeit gegangen. Egal wie das Virus hätte bei mir enden können.

Wenn man dem Virus etwas Gutes abgewinnen kann dann, dass der Beruf der Kassierer/in, Pflegern/in, Schwestern, Erzieher/in, Lieferant/in und Postbote/in endlich mal die Anerkennung bekommt, die ihnen zusteht! Ich hoffe sehr, dass wir das Virus alle überstehen und wir es bald eindämmen können oder ein Medikament dagegen entwickeln.

Da Sie meine Lebensgeschichte bis jetzt kennen, sehen sie, dass mein Leben mit der Krankheit nicht schlimm ist. Das können andere Betroffene anderes sehen und mich für die Aussage hassen, aber ich sehe es so. Natürlich schränkt die Krankheit mein Leben ein und ich will auch gar nicht verneinen, dass ich ab und zu durch sie ein Tief habe. Aber durch die heutigen Hilfsmittel und Menschen, die einem helfen, ist es fast ein normales Leben. Das einzige, was mein Leben wirklich erschwert, ist der immer wiederkehrende Kampf mit den Behörden wegen den Gesetzen. Und das alles, weil die Gleichstellung noch nicht fortgeschritten ist. Natürlich ist es im Gegensatz zu vor 50 Jahren schon eine deutliche Verbesserung aber wir können erst von einer Gleichstellung sprechen, wenn wir für die selbstverständlichen Dinge nicht mehr kämpfen müssen!

Hier ein paar Vorschläge: vom ersten bis zum zehnten Schuljahr sollte man nicht jedes Jahr einen neuen Antrag für den Fahrdienst und die Einzelfallhilfe stellen müssen. Es sollte vor dem ersten Schuljahr ein Antrag eingereicht werden und der wird dann ausführlich geprüft. Wenn da ein „ja“ rauskommt und man die ärztlichen Unterlagen prüft und die ergeben, dass die Krankheit so bleibt oder sich sogar verschlechtern kann, dann sollte der Antrag von der ersten bis zur zehnten Klasse genehmigt werden. Besonders da man eine zehnjährige Schulpflicht hat. Des Weiteren sollte man beim Planen von Gebäuden oder bei Straßen bzw. dem Wegebau durch die Innenstadt viel mehr Menschen mit einem Handicap einsetzen. Weil nur diese Menschen wissen, wie schlecht es ist, über Pflasterstein usw. zu fahren und an andere Sachen denken, an die andere gar keinen Gedanken verschwenden. Das sind nur ein paar Vorschläge, ich hätte noch mehr.

Für meine Zukunft wünsche bzw. erhoffe ich mir, dass meine Familie gesund bleibt und lange lebt. Dass meine Krankheit auf dem jetzigen Stand bleibt oder dass sie ein Medikament entwickeln, das die Krankheit aufhebt. In ein paar Jahren hätte ich gerne eine kleine gesunde Tochter, der dazugehörige Mann sollte älter sein als ich. Und folgende Charaktereigenschaften besitzen: freundlich, nett, hilfsbereit, sportlich, zuverlässig, umweltbewusst (aber es sollte nicht ausarten), ehrgeizig, organisiert, strukturiert, sympathisch, empathisch, lustig, häuslich, zielstrebig, klug, tüchtig, direkt, ehrlich, Nichtraucher und am besten keinen Alkohol trinken, er sollte mir meinen Freiraum lassen, sonst sollte er wissen was er will, man sollte auch gemeinsam diskutieren und streiten können, er sollte die selben Interessen und Ansichten und mit meiner Krankheit sollte er kein Problem haben. Er soll mich einfach ansehen und denken: ich bin perfekt so wie ich bin. Die Beziehung soll dann nicht ein paar Monate oder ein paar Jahre halten, sondern bis zum Ende unseres Lebens.

Dankende Worte am Ende >>