Der Bundesfreiwilligendienst (2017 – 2019)

Dann begann wieder die Zeit des Wartens, aber die schöne Zeit bei der Arbeit lenkte mich ab. Inzwischen lernte ich auch den nicht so schönen Teil meiner Arbeit kennen, das Versterben von Bewohnern. Wenn man mit den Senioren fünf Tage die Woche Zeit verbringt ist es selbstverständlich, dass die Senioren einem ans Herz wachsen und wenn sie dann plötzlich versterben, geht das nicht spurlos an einem vorbei. Für mich war es aber beruhigend, dass ich ihnen noch eine schöne Zeit bereitet habe und dass sie ihr Leben gelebt hatten. Dieser Gedanke half mir damit umzugehen und ich wusste, dass ich aus dem Grund nicht mit Kindern arbeiten könnte, zum Beispiel auf einer Hospizstation, weil sie ihr Leben noch nicht gelebt hatten. Das wäre für mich wirklich schrecklich, aus dieser Trauer würde ich wohl nicht rauskommen.

Ich versuchte jeden Tag etwas Schönes mit den Bewohnern zu machen und als die erste Seniorin zu mir, anstatt zu meiner Kollegin kam, um über ihre Sorgen zu reden, habe ich mich sehr geschätzt gefühlt. Und wusste, dass ich für sie zu einer Vertrauensperson geworden bin, das war für mich ein unglaubliches Gefühl!

Ich bin mit den Senioren immer so umgegangen, wie ich es bei mir gewünscht hätte, zum Beispiel das gewisse Feingefühl beim Umgang beim Schieben vom Rollstuhl. Ich sagte immer meiner Assistentin: „Schiebt sie, aber selbstverständlich langsam“, oder beim Fahren über eine Bodenschwelle sagte ich den Senioren vorher: “Jetzt müssen wir den Rollstuhl etwas nach oben drücken“ und natürlich beim Verstellen der Rückenlehne der Pflegerollstühle sagte ich: „Jetzt wird die Rückenlehne langsam und vorsichtig nach unten verstellt“. Ich glaube, meine eigenen Erfahrungen waren mir eine große Hilfe bei meiner Arbeit. Lisa sagte immer, alles was passiert, passiert aus einem Grund, vielleicht war das der Grund aus dem ich im Rollstuhl sitze, damit ich weiß, wie man an ihrer Stelle behandelt werden möchte.

Die Bewohner hatten sich in der Zwischenzeit für mich schöne Namen einfallen lassen, da sich die meisten meinen Namen nicht merken konnten. Die Namen waren die Kleine, meine Kleine oder, mein persönlicher Favorit, Sonnenschein.

Ich muss wirklich zugeben, ich liebe meine Arbeit.