Der Bundesfreiwilligendienst (2017 – 2019)

Die Seminare zwischen der Arbeit, waren okay, der Austausch mit den anderen BFD-lern war gut da man dadurch einen Einblick bekam, was die anderen machen und wie sie mit unterschiedlichen Situationen umgehen. Aber ich hätte mir gewünscht etwas zu lernen, bezogen auf meinen Arbeitsbereich anstatt Spiele zu spielen. Während der gesamten Zeit vermisste ich meine Bewohner, ich dachte immer, was sie wohl jetzt machen und ob es ihnen gut gehe. Aber eine interessante Frage bekam ich von einem anderen Seminarteilnehmer gestellt, was ich denke, wie ich geworden wäre, wenn ich nicht im Rollstuhl sitzen würde. Die Frage war richtig interessant, ich sagte, ich wäre menschlich bestimmt ganz anders, frecher und weniger empathisch. Aber je mehr ich darüber nachdachte, wäre mein Leben wirklich anders verlaufen: ich hätte nie mein Fachabitur gemacht, sondern wäre jobben oder in eine Ausbildung gegangen, ich wäre nicht auf die IGS gegangen, da ich auf jede Realschule hätte gehen können. Das heißt, ich hätte meine Freundschaften, die ich an der IGS und BBS geschlossen habe, nicht geschlossen. Dann hätte ich wahrscheinlich auch kein BFD gemacht und nie meine Senioren und meine Kollegen kennen gelernt. Ich hätte jetzt wahrscheinlich einen Führerschein und ein eigenes Auto, das ich mir durch das Jobben oder der Ausbildung hätte finanzieren können und würde vielleicht in einer WG wohnen. Als WG-Mitbewohnerin fiel mir sofort Lisa ein, dann dachte ich aber, vielleicht wären wir gar keine Freunde geworden da ich menschlich so anders wäre? Danach dachte ich sofort an die Beziehung zu meinen Eltern und meiner Schwester, vielleicht hätten wir nicht so ein enges und starkes Verhältnis? Klar wäre mein Leben sonst leichter verlaufen, ich hätte nicht so viel Papierkram und auch keinen Stress mit den Behörden. Aber ob es ein erfüllteres bzw. schöneres Leben wäre, mag ich stark zu bezweifeln.

Ich habe schließlich alles: eine super Familie, eine tolle Freundin und ein schönes zu Hause. Was kann ich eigentlich mehr wollen, viele andere haben das nicht.

Dann stellte ich mir die Fragen, ob mich meine Freunde durch den Rollstuhl als Freundin anders wahrnehmen oder deswegen anders mit mir umgehen? Oder ob ich mich irgendwie unterscheide von ihren anderen Freunden (hinsichtlich persönlicher Eigenschaften)?

Johannas Antwort:

Nein ganz und gar nicht. Ich finde sogar das du viel verständnisvoller in vieler Hinsicht und mitfühlender bist als viele andere Menschen.

Lisas Antwort:

Ich gehe mit dir wie mit einem Menschen um, Rollstuhl hin oder her. Das ist nur nebensächlich. Aber von der Persönlichkeit bist du sehr besonders, auch weil du weißt, wie es ist, nicht laufen zu können und damit so souverän umgehst und das positive siehst: dass du so bist, wie du bist! Freundlich, zuvorkommend, stark und ehrgeizig.

Sarahs Antwort:

Michell und Sarah

Wenn ich an Michelle denke muss ich zuerst an ihr herzliches Lachen denken.