Der Bundesfreiwilligendienst (2017 – 2019)

Während ich mein BFD weiter fortsetze, zogen viele meiner Freunde um oder weg, wegen ihres Studiums oder wegen der Ausbildung. Sie begannen, ein eigenständiges Leben zu führen, mit eigener Wohnung und haben ihre Berufung gefunden. Und meine kleine Schwester war inzwischen achtzehn Jahre geworden und machte ihren Führerschein. Ich freue mich sehr für alle, denke dann aber an mich und fühle mich zurückgeblieben. Ich kann meinen Führerschein nicht machen, weil ich nicht die finanziellen Möglichkeiten für den Umbau des Autos habe, dann wohne ich noch bei meinen Eltern und bin auf ihre Hilfe angewiesen und meine Ausbildung steht noch in den Sternen.

Gegen das Gefühl kann ich nichts machen, außer mich in mein BFD reinzuhängen und hoffen, dass es mit dem Kurs in Teilzeit im März 2019 klappen wird. Gott sei Dank ist Lisa nicht umgezogen und sie hat immer die passenden Worte, um mich wieder aufzumuntern.

Während des verlängerten halben Jahres lernte ich die Bewohner noch besser kennen, die eine Seniorin erzählt mir von ihrer Hochzeit und ihrem geliebten Mann.

Sie zeigte mir sogar Fotos von der Hochzeit und ihrer ganzen Familie, anschließend erzählte sie mir wie sie ihren Mann kennen gelernt hat. Früher war das Kennenlernen wirklich schöner, da wurde noch um die angebetete Frau geworben. Es wurden Liebesbriefe geschrieben und ihr der Hof gemacht, so was wünschte ich mir heute auch aber das Kennenlernen heutzutage ist nicht mal annähernd so romantisch wie früher! Danach erzählte die Senioren wie ihr Mann verstorben ist. Für mich war das etwas ganz Besonderes, das sie mir das alles anvertraute. Ich war von ihrer Lebensgeschichte sehr ergriffen und musste mir meine Tränen zurückhalten.

Die Bewohner sind mir sehr ans Herz gewachsen und wenn mein halbes Jahr vorbei ist, werde ich sie aus ganzem Herzen vermissen. Sie sind fast wie eine Familie für mich geworden und ich hoffe sehr, dass ich nach meinem Kurs zur Betreuungskraft dort wieder anfangen kann.

Zur selben Zeit ging es meiner Oma schlechter sie war manchmal so geschwächt, dass mein Opa sie bei kurzen Wegen stützen musste. Dann wurde sie auch durcheinander und konnte manche Gegenstände nicht mehr bei Namen benennen, zum Beispiel Melone, sie meinte nur: „Ich möchte das rote, was dein Opa gestern gekauft hat“. Aber der Begriff Melone fiel ihr nicht ein. Ich hoffte nur, bitte lass es keine Metastasen im Gehirn sein! Ich machte mir wirklich große Sorgen, genau wie meine Eltern und meine Schwester. Manchmal hatte ich sogar schlaflose Nächte oder war am Tag durcheinander und abwesend, weil mich das alles so mitnahm. Aber das neue CT zeigte, dass die Tumore nicht gewachsen und auch keine Metastasen dazu gekommen sind. Das Durcheinandersein kam durch einen Mangel an Kalzium und Kalium und konnte durch Infusion behoben werden. Darüber war ich wirklich unfassbar froh, meine Oma ist eine starke Person, eine Kämpferin. Aber die erste Chemotherapie brachte keine Verbesserung mit sich und meine Oma vertrug sie auch nicht gut. Deswegen bekam sie eine andere Chemotherapie, die anders zusammengesetzt war. Die vertrug sie aber auch nicht besser. Durch diese Chemotherapie gingen die Werte dann oft so in den Keller, dass es ihr sehr schlecht ging und sie immer öfter für mehrere Tage ins Krankenhaus musste. Deswegen wollte meine Oma die Chemotherapie nicht weiter fortsetzen. Ich wusste natürlich, dass der Krebs dadurch schneller voranschreitet und sich unsere gemeinsame Zeit wahrscheinlich verkürzt, aber ich konnte die Entscheidung gut nachvollziehen. Ohne die Chemo ging es ihr viel besser, sie blühte wieder auf und wurde wieder genau wie vorher, damit meine ich, sie war wieder viel am Erzählen. Das war schön zu sehen, ich hätte vor ein paar Wochen nie gedacht, dass es mal wieder so wird. Wir geben die Hoffnung nicht auf, wir wünschen uns, dass es auf dem jetzigen gesundheitlichen Stand bleibt!