Der Bundesfreiwilligendienst (2017 – 2019)

Zur selben Zeit bekam ich einen Anruf von Arbeit und Leben von der Dame, die mich durch die Schule geführt hatte.

Sie erzählte mir, dass sie die Qualifikation wahrscheinlich auch noch nicht in März 2019 anbieten können, da die Finanzierung nicht steht und sie noch zu wenig Teilnehmer haben. Ich dachte, es kann wohl nicht wahr sein! Die Dame sagte, sie probieren alles um es schnellstmöglich hin zu bekommen und sie meldet sich bei mir, wenn es etwas Neues gibt. Ich war wirklich enttäuscht, schließlich habe ich deswegen verlängert und dann wird es wieder nichts. Und nochmal das BFD verlängern ging nicht, da man es nur um ein halbes Jahr verlängern darf.

Bis Anfang Februar wusste ich nicht, wie es ab März weiter geht, aber bis jetzt hatte sich immer etwas ergeben und falls nicht, bin ich wohl erstmal ein paar Monate zu Hause. Im Januar telefonierte ich nochmal mit Arbeit und Leben, die Situation war aber unverändert, da es immer noch nicht genügend Teilnehmer gab. Da überlegten ich, ob ich den Vollzeitkurs nicht einfach in Teilzeit besuche und den Kurs dann einfach zweimal belege. Aber die Dame von „Arbeit und Leben“ erzählte mir, dass es bei der DAA die Qualifikation online angeboten wird.

Nach dem Telefonat rief ich sofort bei der DAA in Northeim an, dort wurde mir erzählt, dass es diesen Online-Kurs tatsächlich gibt und es kein Problem wäre, den in Teilzeit von zu Hause aus zu absolvieren. Es war nur noch zu klären, wer die Kosten für den Fahrdienst und meine Assistentin trägt, während des Praktikums und für mein rechtliches Arbeitsleben. Das gestalte sich aber schon seit über einem Jahr schwierig, da vom Arbeitsamt niemand wusste, wer das finanziert. Ich kann das einfach nicht verstehen, da ich ja sicher nicht die erste bin, die darauf angewiesen ist. Für mich stand fest, wenn das mit der Qualifikation nicht funktionieren sollte, weil sich die Behörden querstellen, dann werde ich an die Öffentlichkeit gehen!

Als feststand, dass die Qualifikation zur Betreuungskraft ab 13.03. bei der DAA beginnen wird und ich beim Arbeitsamt den Antrag eingerichtet hatte, stand fest, dass sie die Kosten während der Qualifikation übernehmen. Dann musste alles auf einmal ganz schnell gehen. Ich sollte drei Kostenvoranschläge von Krankentransporten einholen und auch drei Kostenvoranschläge von Unternehmen, die Arbeitsassistenz anbieten. Dies gestaltete sich aber als schwierig, da die meisten Unternehmen nur Schulassistenz anboten, ich fand tatsächlich nur einen Anbieter („Selbsthilfe Körperbehinderte“) der Arbeitsassistenz anbietet. Die Kostenvoranschläge leitete ich unverzüglich ans Arbeitsamt weiter, sie entschieden sich für den Krankentransport (eigentlich Rollstuhltaxi) PUK-Minicar GmbH und für die „Selbsthilfe Körperbehinderter Göttingen e.V.“. Nach dem dies genehmigt war, musste ich mit dem Fahrdienst noch die Abholzeiten fürs Praktikum klären, anschließend musste ich noch Vorstellungsgespräche mit den Assistenten führen. Ich entscheid mich für ein junges Mädchen, sie war nett, freundlich, hilfsbereit und empathisch. Das alles hatte ich einen, Monat bevor mein BFD beendet war, abgeklärt, wie immer also knapp bevor es los ging.

Nach den anderthalb Jahren BFD kann ich abschließend sagen, dass es eine sehr schöne Zeit war. In dieser Zeit bin ich sehr gereift und habe kein Problem mehr mit Nähe. Vorher hatte ich eine Mauer um mich herum aufgebaut, um nicht mehr angreifbar oder enttäuscht zu werden. Ich denke, ich habe extra eine Distanz aufgebaut um nicht mehr verletzt zu werden, deswegen konnte ich auch keinem mehr vertrauen, außer meinen Eltern, meiner Schwester und Lisa. Ich glaube, ich habe zwar noch Vorbehalte gegenüber Personen die mir fremd sind, aber nicht mehr so sehr wie vor anderthalb Jahren. Außerdem ist mein Selbstbewusstsein wieder da, ich bin wieder Schlagfertig. Das habe ich alles den Bewohnern und meinen Kollegen zu verdanken, weil ich gesehen habe, dass nur wenn man offen und ohne Vorbehalte miteinander umgeht, eine Beziehung aufbauen kann. Und das Vertrauen muss man sich erarbeitet, das bekommt man nicht einfach so geschenkt. Ich traue mich jetzt wieder so zu sein, wie ich bin und wenn das jemandem nicht gefällt, ist es mir egal.

Ich muss nicht von allen gemocht werden, früher war mir das wichtig aber manchen kann man es einfach nicht recht machen. Gefallen lass ich mir auch nichts mehr, ich wehre mich und sage meine Meinung.

Die schönsten Erinnerungen an mein BFD sind die gemeinsame Zeit mit den Bewohnern bei den Einzel- oder Gruppenangeboten und die Gespräche. Zum Beispiel das gemeinsame backen, basteln, den Ballsport, Gedächtnistraining und die Gesellschaftsspiele. Und die Erinnerung an meine Kollegen, die guten Sprüche, die Gespräche, das gemeinsame Lachen und das Tanzen zu der Musik von Elvis. Ich fühle mich in meinem Team total wohl, weil alle so verrückt und offen sind wie ich. Für alle, die ihrer Eltern, Großeltern oder Verwandte in guten und sicheren Händen wissen möchte, den kann ich das GDA empfehlen.

Nach den eineinhalb Jahren musste ich den Landkreis Göttingen, die ganzen gesammelten Rechnungen vom Fahrdienst und meinen Assistentinnen geordnet und mit einer Aufstellung in einer Tabelle darstellen, dass ich das Geld auch für den angegebenen Zweck verwendet habe. Danach musste ich noch die ganzen Kontoauszüge kopieren, das war wirklich viel Arbeit und Rechnerei. Mein Papa war mir eine große Hilfe, etwas Geld blieb am Ende noch übrig, das überwies ich unverzüglich an den Landkreis zurück.

Vier Tage nach dem Ende meines BFDs fuhr ich mit meinem Papa zur DAA in Northeim, dort wurde mir von einer netten, freundlichen, hilfsbereiten, engagierten und direkten Frau die Online Akademie vorgestellt. Es war tatsächlich ein richtiger Klassenraum mit Sitzplätzen für Schüler und einen bzw. zwei für die Lehrer. Unten links gäbe es eine Leiste mit verschiedenen Zeichen, zum Beispiel ein Fragezeichen auf das man drücken muss, wenn es Fragen gibt, klatschende Hände zum applaudieren nach einem Vortrag, oder einen Finger zum Melden und das beste oder lustigste, eine Kaffeetasse für kurze Pausen zwischendurch oder für einen Toilettengang. Wenn man auf die Strg-Taste drückt, konnte man sprechen bzw. antworten auf Fragen.

Dann sagte mir die Dame, dass man hier auch Vorträge halten kann, dafür geht man oben rechts auf die zwei Pfeile wo der eine nach links und der andere nach rechts zeigte dann kann man den Klassenraum wechseln und für sich oder in einer Gruppe arbeiten. Wenn man oben auf den Hauptplatz geht, dann kann man über die Tafel seine Dokumente anzeigen zum Beispiel eine PowerPoint zum Thema Einzel- und Gruppenangebote. Und wenn man oben rechts auf das Kreuz geht, dann kann man das Programm verlassen. Es gab noch viel mehr Sachen aber so können Sie sich das ein bisschen vorstellen. Ich dachte: „Oh mein Gott das bekomme ich nie hin“, ich kenne mich nämlich wirklich nicht so gut mit dem PC aus. Anschließend musste ich noch einen Vertrag unterschreiben, danach bekam ich ein Buch, ein Headset und eine Liste ausgehändigt, in der die ganzen Themen standen, die wir bearbeiten mussten. Diese Liste ist täglich mit Datum, Unterschrift usw. auszufüllen.

Zum Schuss bekam ich noch Passwörter, eins zum Anmelden für den Klassenraum und eins um den Stundenplan herunterzuladen, dieses Passwort wurde alle zwei Wochen geändert. Dieses Passwort würden sie mir immer per Mail zukommen lassen. Nachdem all dies geklärt, war hatte ich wirklich schreckliche Angst, dass ich das mit meinen technischen Kenntnissen nicht hinbekommen würde. Als mein Papa und ich endlich wieder zu Hause waren erzählte ich alles erstmal meiner Mama, Luisa und Lisa über WhatsApp. Ich war von den ganzen technischen Möglichkeiten von heute wirklich absolut beeindruckt! Jetzt hatte ich nur gut fünf Tage frei bevor die Qualifikation starten würde, die verbrachte ich mit Sport und damit, nochmal das Einführungsvideo der Online Akademie zuschauen, ich schrieb mir die wichtigsten Sachen auf, damit am ersten Tag nichts schief gehen würde.

Die Qualifikation zur Betreuungskraft gemäß § 43b (März – Juli 2019) >>