Die Fachoberschule (2015 – 2017)

Ich kam nach dem Praktikum nach Hause und das Telefon klingelte, meine Mama ging ans Telefon. Meine Oma war total aufgelöst und weinte, sie sagte, dass ein Familienmitglied gestorben sei. Wir haben das erst überhaupt nicht geglaubt, da das Familienmitglied noch jung war, aber der Herzinfarkt war so stark, dass er sofort verstarb. Ich, also wir alle, konnten es nicht glauben und wollten es auch nicht wahr haben. Wir alle mussten weinen, er war ein hilfsbereiter, freundlicher, netter, ehrlicher, direkter, tüchtiger, humorvoller und Herzensguter Mensch, sonst war er immer gut drauf und half jedem. Ich verstehe nicht, warum die guten Menschen zuerst sterben müssen, das ist wirklich ungerecht!

Auf der Beerdigung von ihm waren viele Menschen, sie haben nicht mal alle in die Kirche gepasst, sie standen bis auf die Straße. Es war schön zu sehen, dass er so vielen Menschen etwas bedeutete. Da fragte ich mich, wer würde wohl zu meiner Beerdigung kommen, mir fielen nicht viele ein außer meine Eltern, meine Schwester, meine Großeltern, meine Tante, meine Cousinen, mein Cousin und Lisa, auch sonst machte ich mir viele Gedanken. Zum Beispiel, „Bist du mit deinem Leben zufrieden, was willst du in dein Leben erreichen?“. Dort wurde auch die innere Stimme wieder lauter „Du passt nicht ins Büro und du willst es auch nicht, du willst was mit Menschen machen. Und du musst viel trainieren um fit zu bleiben, falls mal eine Therapiemöglichkeit erfunden wird“. Außerdem dachte ich, wie schrecklich das für seine Frau und seine drei Kinder sein muss. Für mich und für jeden anderen ist es die schlimmste Vorstellung ein Elternteil zu verlieren, es würde mir den Boden unter den Füßen wegziehen. Ich glaube, ich würde mich total zurückziehen und hätte keinen Antrieb mehr, aber besonderes der Schmerz des Verlustes wäre für mich nicht auszuhalten. Ich denke ich würde mich aufgeben. Des Weiteren bekam ich Angst vor dem Tod und stellte mir fragen, wie „Gibt es irgendetwas nach dem Tod, oder ist da das Nichts?“ Das finde ich eine schlimme Vorstellung, diese Fragen versuchen wir am liebsten das ganze Leben zu verdrängen, weil wir uns mit dem Gedanken nicht auseinandersetzen wollen, da wir dann zugeben müssten, dass wir Angst vor dem Ende haben und das wollen wir nicht. Deswegen vermeiden wir auch darüber zu sprechen und daran zu denken. In der Gesellschaft ist das Thema ein Tabu.

Die ersten Wochen hatte ich immer Träume von ihm: im letzten Traum waren wir auf einer großen Feier, die ganze Familie war dort, alle lachten und hatten Spaß. Ich sah ihn auf einmal und sagte: “Da ist er!“, aber keiner außer mir konnte ihn sehen. Dann winkte er mir zu und ging eine Treppe hoch zu einem hellen Licht.

Sofort danach wurde ich wach und dachte, ich darf über solche Sachen nicht mehr lesen oder solche Filme schauen. Aber irgendwie beruhigte es mich, ich glaube der Traum sollte mir zeigen, dass er will, dass wir alle weiter zusammen feiern und lachen. Da er das selbst am liebsten getan hatte.