Die Fachoberschule (2015 – 2017)

Nach meinem Abschluss wusste ich nicht, wie es weiter gehen soll, ich hatte nämlich auf jede Bewerbung eine Absage bekommen. Die Absagen wurden teilweise wirklich schlecht begründet. Zum Beispiel hatte ich mich im Nachbardorf beworben als Kauffrau für Büromanagement. Es hing ein großer Aushang an dem Unternehmen auf den ich mich daraufhin beworben hatte. Schon nach kurzer Zeit bekam ich eine Absage mit der Begründung, sie hätten sich für einen anderen Bewerber entschieden. Aber der Aushang hing immer noch am Unternehmen. Deswegen hat meine Schwester mit einem anderen Nachnamen angerufen und gefragt, ob die Stelle noch zu haben wäre.

Und tatsächlich, sie hatten noch niemanden, da war mir klar, dass die Absage an meinem Rollstuhl lag, dies kam leider öfter vor. An meinem Abschluss konnte es nicht liegen, da ein Realschulabschluss gereicht hätte. Ich würde es besser finden, wenn sie in den Absagen die Wahrheit schreiben würden, z.B. „Es ist uns nicht möglich, ihnen eine Ausbildung anzubieten, weil unser Unternehmen nicht barrierefrei ist“. Das wäre für einen selbst angenehmer, weil man dadurch nicht bei sich die ganzen Fehler sucht.

Deswegen überlegte ich was ich mit meiner Zeit anfangen kann ohne, dass eine Lücke in meinem Lebenslauf entsteht und dass ich mich nicht den ganzen Tag langweile. Mein Papa sagte: “Mach doch ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ)“. Diese Idee fand ich nicht schlecht. Im Internet schaute ich nach, wo man sein FSJ absolvieren kann. Am interessantesten war für mich das Arbeiten mit Senioren, ich suchte mir die Telefonnummer raus und rief beim Internationalen Bund an. Ich sprach mit einem netten Herren der meinte, es würde wahrscheinlich schwierig werden eine Einsatzstelle zu finden, in der es möglich ist, in Teilzeit zu arbeiten. Aber er wird nach Stellen suchen und sich wieder melden. Ich fragte ihn, ob ich mich auch selbst um eine Stelle kümmern könnte, er sagte, ich könne das natürlich tun. Noch am selben Tag suchte ich mir zu jedem Altenheim und Pflegeheim in Göttingen die Telefonnummer heraus. Ich schrieb mir einen Zettel, damit ich alle Telefonnummern am nächsten Tag nur noch wählen musste. Als mein Papa den Zettel mit den Heimen fand sagte er mir, es wäre richtig gut, wenn ich mein FSJ im GDA absolvieren kann. Er sagte das ist am nächsten zu uns und sie haben einen guten Ruf. Ich schaute mir im Internet das GDA an und war begeistert von der Vielseitigkeit und den tollen Angeboten für die Senioren. Als ich am nächsten Tag dort anrief, gab ich mir besonders viel Mühe beim Telefonat. Die Dame lud mich sofort zum Vorstellungsgespräch ein. Ich habe mich darüber sehr gefreut und als das Vorstellungsgespräch näher rückte, war ich nervös, aber ich wollte mich beruhigen damit ich überzeugen kann. Das Gespräch verlief sehr gut und sie sagten ich könnte mein FSJ im Stationären Bereich machen, da dort die Gänge breiter wären und dass es zum Vorteil bei einem Rollstuhl sei. Anschließend fragten sie mich noch, ob ich ein Probetag machen möchte. Ich sagte: „Ja, sehr gerne“.

Ein paar Tage später war es soweit und meine Assistentin und ich standen für den Probetag bereit. Wir wurden von einer netten Frau abgeholt, sie erzählte uns, wie der Tag ablaufen würde. Als erstes gingen wir auf die Gerontopsychiatrie (Demenzstation) in ein Zimmer in dem zwei ältere Damen waren. Sie waren bettlägerig und die eine Seniorin brauchte Unterstützung beim Essen. Ich wurde vorgestellt und unterhielt mich etwas mit den beiden netten Seniorinnen, aber ich blieb im Hintergrund, weil ich genau beobachten und lernen wollte, wie die Frau ihr Angebot gestaltet. Nach dem Frühstück machte die Frau noch etwas Gedächtnistraining mit Fragen, die wirklich nicht einfach waren. Daher wusste ich, dass die Demenz noch nicht weit fortgeschritten sein kann.

Anschließend gingen wir auf eine andere Station, dort waren alle Senioren geistig fit aber körperlich teilweise eingeschränkt. Ich bekam die nächsten älteren Damen und Herren vorgestellt, alle waren sehr nett. Danach sagte mir die Frau, dass wir jetzt eine Gruppe machen, ich glaube es war eine Runde von zehn Personen. In der Gruppe wurde ein Gegenstand in einer Tasche versteckt, den wir dann ertasten konnten. Nach dem der Gegenstand erraten wurde, wurde eine passende Geschichte vorgelesen. Jeder in der kleinen Gruppe hatte Spaß an dem Angebot. Eine halbe Stunde später wurde die Gruppe wieder aufgelöst und ich kam mit einer älteren Dame ins Gespräch, sie erzählte mir, was sie im Moment bedrückt und ihre komplette Lebensgeschichte. Als es dann Zeit zum Mittagessen war, beendeten wir das Gespräch. Sie bedankte sich bei mir fürs zu Hören und dass es ihr durch das Gespräch besser gehe. Da wusste ich, das ist es was mir immer bei der Arbeit im Büro gefehlt hatte.

Danach beendete die Frau den Probetag und sagte mir, dass ich es gut gemacht habe und sie sich freut mich im September wiederzusehen. Zwei Tage später rief mich die Chefin von dem Stationären Bereich an und sagte, dass ich mein FSJ bei ihnen machen kann. Sofort danach meldete ich mich bei meinem Ansprechpartner beim Internationalen Bund und sagte, dass ich einen FSJ-Platz habe. Er sagte, das sei super, dann mache er die Verträge fertig und schicke sie mir zu. Er sagte, dass ich nur kein FSJ mache, sondern ein BFD das bedeutet Bundesfreiwilligendienst, weil man nur das BFD in Teilzeit machen kann und beim FSJ würde das nicht gehen. Er hat gesagt dadurch ändert sich nichts, nur halt der Name. Anschließend erzählte mir mein Ansprechpartner, dass es während des BFD fünf Mal für fünf Tage die Woche ein Seminar gebe, an dem es Pflicht sei, teilzunehmen um den Bundesfreiwilligendienst angerechnet zu bekommen. Damit war das schon mal abgeschlossen und ging ohne Probleme. Jetzt begann aber erst der richtige Ärger! Ich musste mich um die Finanzierung des Fahrdienstes und meiner Assistentin kümmern. Schon bevor alles feststand mit dem BFD habe ich einen Antrag erstellt und beim Arbeitsamt eingereicht. Es war für mich nur logisch, dass ich meinen Antrag beim Arbeitsamt einreichen muss, weil ich jetzt ins Arbeitsleben einsteigen würde.