Die Fachoberschule (2015 – 2017)

Da der Landkreis Göttingen die schulischen Kosten trägt und sie meinten, wenn ich die Schule abgeschlossen habe, wären sie nicht mehr für mich zuständig, deswegen reichte ich den Antrag dort ein. Ich bekam lange keine Rückmeldung bis ich zu einem persönlichen Gespräch eingeladen wurde. Dort wurden mir dann fragen gestellt, wie warum ich ein BFD machen möchte, warum es für meine Zukunft relevant wäre und warum ich keine Ausbildung machen möchte. Ich erklärte, dass ich nur Absagen auf meine Bewerbungen bekommen habe, zum Beweis habe ich extra alle Absagen aufgehoben und mit zu diesem Gespräch genommen. Nicht, dass sie mir sonst vorgeworfen hätten, dass ich mich um nichts gekümmert hätte.

Dann erklärte ich, dass ich den BFD machen will um zu sehen, ob ich dem Beruf der Betreuungskraft körperlich gewachsen wäre und dies müsste über einen längeren Zeitraum stattfinden, da mein Problem mit dem Nacken bei den Arbeiten als Kauffrau für Büromanagement während des Praktikums auch erst nach über einem halben Jahr aufgetreten war. Deswegen hätte der BFD die passende Länge um das festzustellen, außerdem wäre es in diesen Beruf kein Problem in Teilzeit zu arbeiten. Gut, dass ich mit den Fragen gerechnet hatte, deswegen hatte ich gleich gute Begründungen parat. Sie sagte, das wären gute Gründe, aber dass sie so etwas nicht finanzieren würden. Dann sagte die Dame, ich könnte auch in eine Bildungsstätte gehen, die würden die Schulische Ausbildung für Kauffrau für Büromanagement in Teilzeit anbieten. Die Schule wäre aufgebaut wie ein Internat und für die Pflege wäre gesorgt. Ich fragte wo diese Bildungsstätte sei, weil ich hier davon noch nie gehört hatte. Sie antwortete, in Hannover. Ich sagte:“ In Hannover? Ich will gar nicht von hier wegziehen, weil hier meine Familie, Freunde, Therapeuten und Ärzte sind. Außerdem hatte ich das schon oft gehört, dass die Pflege gesichert wäre, ich hatte schon so VIELE qualifizierte Assistenten, die sich vorgestellt hatten und die haben es trotzdem nicht hinbekommen. Außerdem möchte ich keinen Büroberuf mehr ausüben, da dies meine Nackenprobleme nur wieder verstärken würde. Hier in Deutschland hat man das Recht auf freie Berufswahl und deswegen werde ich das nicht machen“. Ich sagte außerdem zu der Dame, dass ich dann noch die schriftliche Absage brauche, dass sie den BFD nicht finanzieren, damit ich nach anderen Kostenträger suchen kann, damit ich dann diese Ablehnung vorlegen kann, falls mich die anderen Ämter wieder zu ihnen schicken wollen. Sie sagte, dann müsste ich nur diesen Antrag ausfüllen, dann schicke sie mir die Ablehnung zu. Am nächsten Tag wusste ich nicht wohin ich mich jetzt am besten wenden sollte, natürlich habe ich beim Integrationsamt angerufen, aber die sagten mir, sie tragen erst die Kosten, wenn ich richtig ins Arbeitsleben einsteige. Deswegen wendete ich mich an die Sozialarbeiterin die mir beim Abi geholfen hatte, sie antwortete mir, dass sei in der Tat etwas schwierig und sie würde auch keinen Fall kennen. Aber sie wolle recherchieren und sich dann bei mir wieder melden.

Mein Vater rief dann noch beim Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Göttingen an, der sagte, er würde sich richtig reinhängen und sich dann wieder melden. Bis heute habe ich noch nichts von ihm gehört, aus diesem Grund halte ich nicht viel von Gleichstellungsbeauftragten, weil nichts vorankommt und man nicht mal eine Rückmeldung bekommt. Ich denke, deswegen ist die Gleichstellung in Deutschland auch noch so zurückgeblieben! Aber auf die Sozialarbeiterin war Verlass, sie meldete sich schnell zurück und sagte, wenn ich vom Arbeitsamt und vom Integrationsamt eine Ablehnung bekommen habe, muss der Landkreis Göttingen zahlen. Ich setzte mich sofort an den PC und schrieb einen Antrag und fügte eine Kopie der Ablehnung vom Arbeitsamt und dem Integrationsamt bei.

Dann vergingen wieder Wochen und inzwischen hatte ich meine BFD-Stelle bekommen. Aus dem Grund rief ich beim Landkreis an, aber ehe ich den richtigen Ansprechpartner am Telefon hatte, verging viel Zeit und sie konnten mir dann noch nicht sagen, ob sie die Kosten tragen werden. Zwei weitere Wochen vergingen und ich rief wieder an, jetzt hatte ich plötzlich einen anderen Ansprechpartner das Gute war, er war ein Freund meines Papas, deswegen ließ ich meinen Vater mit ihm sprechen. Erst sagte der Mann zu meinem Papa, es sehe nicht gut aus, aber zwei Tage später rief er an und sagte, jetzt sehe es gut aus, weil die anderen Stellen (Ämter) die Übernahme der Kosten verweigerten, müssen sie die Kosten tragen. Er lud uns zu einem persönlichen Gespräch ein, dort sagte der Freund von meinem Papa, dass der Landkreis die Kosten tragen werde, in Form eines persönlichen Budgets. Das bedeutet, ich bekomme die Kosten für den Fahrdienst und den Assistentinnen auf mein Konto überwiesen und ich muss mich selber um alles kümmern, also die Abrechnungen kontrollieren und dann das Geld an den Fahrdienst und meinen Assistentinnen überweisen. Wenn der BFD abgeschlossen ist, bin ich verpflichtet nachzuweisen, dass ich von dem Geld alles bezahlt und es nicht für mich selbst behalten habe. Deshalb musste ich auch eine Vereinbarung eine Woche vor Beginn des BFDs unterschreiben. Dann musste ich einen Fahrdienst organisieren, der zu dieser Zeit fahren kann und am günstigsten ist. Es blieb leider wieder der Fahrdienst von vorher, aber das war mir in diesem Moment egal, den jetzt konnte endlich nach über acht Wochen hin und her mit den Behörden mein BFD beginnen. Ich war sehr aufgeregt vor meinem ersten Arbeitstag!

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