Die Qualifikation zur Betreuungskraft gemäß § 43b (März – Juli 2019)

Während der Schulzeit fehlte mir die Arbeit sehr, ich zählte von Beginn der Qualifikation schon die Tage bis zum Praktikum. Und anscheinend nicht nur ich, sondern auch meine Kollegen, sie schrieben mir immer, dass ich fehle und sie hofften, dass die Zeit schnell umgehen möge. Darüber freute ich mich immer sehr und es baute mich auch auf. Es waren zwei Kolleginnen mit der ich während der Zeit engen Kontakt pflegte, das sind Steffi und Shukrije. Shukrije ist nett, freundlich, hilfsbereit, lustig, klug, kreativ, sympathisch, empathisch und ich finde ihrer Arbeit geht sie mit viel Hingabe nach. Wenn wir zusammen eine Schicht haben (sie ist auch Betreuungskraft), weiß ich, dass es ein guter und erfolgreicher Tag für die Bewohner und mich wird. Steffi ist nett, freundlich, hilfsbereit, sympathisch, empathisch, klug, lustig, kontaktfreudig, kommunikativ, sie kann einfach mit jedem ein Gespräch führen und sie ist so verrückt wie ich. Jeder Dienst mit ihr verspricht Freude pur. Meine Klasse war aber wirklich sehr nett, wir verstanden uns alle gut und hatten sogar bei WhatsApp eine Gruppe, sie hieß „Betreuungskünstler“.

Als wir dann eine Gruppenarbeit machen sollten, dachte ich erst, wie soll das funktionieren? Aber es ging ganz einfach. Man wechselte den Klassenraum über die zwei Pfeile wo der eine nach links und der andere nach rechts zeigt, dann ist man in einer kleinen Gruppe im Nachbarraum und kann sich oben auf dem Platz setzen, wo normalerweise der Lehrer sitzt. Auf diesem Platz ist dann alles zu sehen, was du auf die geöffnete PowerPoint schreibst. Die Gruppenaufgabe war Beschäftigungsangebote auszudenken und zwar eine Einzelbeschäftigung, eine Gruppenbeschäftigung, eine Einzelbeschäftigung mit einem Senior, der eine Einschränkung hat und ein Ausflug oder ein Event planen. Unsere Gruppe bestand insgesamt aus sechs Personen und wir arbeiteten sehr gut zusammen und wurden sogar relativ schnell fertig, anschließend mussten wir noch jemanden aussuchen, der die Präsentation hält. Ein junger Mann und ich wurden von unserer Gruppe ausgewählt.

Wir übten es noch einmal zusammen und dann kam die Präsentation. Normalerweise bin ich kein Fan davon Präsentationen zu halten, aber da ich mich hier nicht vor die Klasse stellen musste, wo mich zwanzig Menschen ununterbrochen anschauten, hatte ich fast überhaupt keine Angst. Die Präsentation verlief sehr gut und wir bekamen dafür eine eins, worüber wir uns sehr freuten. Kurz danach begann das Praktikum, ich freute mich einfach riesig wieder zurück zu kommen. Am ersten Tag meines Praktikums lernte ich meine Assistentin kennen, sie war wirklich nett und wir verstanden uns immer und immer besser, außerdem ging sie wundervoll mit den Bewohnern um, was mir sehr wichtig war. Von meinen Kollegen wurde ich mit Umarmungen und Freudenschreien begrüßt. Eine stark an Demenz erkrankte Bewohnerin erkannte mich sogar wieder und fragte mich, warum ich so lange weg war und sie hofft, dass ich jetzt erstmal nicht mehr weg gehe. Darüber freute ich mich sehr, ich dachte, ich muss ihr wirklich etwas bedeuten oder in ihr bewegt haben, dass sie mich sofort wiedererkannt hat. Ich machte mir das Praktikum richtig schön und setzte mein neu erworbenes Wissen um, ich machte mit den Bewohnern einen Obstsalat, einen Kuchen, spielte Spiele, machte Gymnastik, Gedächtnistraining, las Geschichten vor und führte tolle Gespräche.

Eine besondere Aufgabe während des Praktikums war die Ausarbeitung der Biographie, die erarbeitete ich über eine Bewohnerin, mit der ich ein sehr gutes und enges Verhältnis habe. Damit sich meine Bewohnerin wohlfühlt während der Ausarbeitung, suchte ich uns eine stille Ecke, stellte uns einen kleinen Tisch hin und dekoriere ihn mit einem Blumenstrauß, zwei Gläsern und ihrem Lieblingssaft. Nachdem ich mit der Gestaltung zufrieden war, holte ich die Bewohnerin dort hin. Sie freute sich sehr darüber. Die Ausarbeitung der Biographie verlief sehr gut, einige Lebensabschnitte wusste ich schon vorher durch Gespräche, Einzelbetreuung und Gruppenbetreuung, den Rest erzählte sie mir an diesem Tag. Als sie mir über den Tod ihres Mannes und ihre Rückschläge in Leben berichtete, wurde ich etwas emotional.

Es ließ mich einfach nicht kalt und musste die Tränen zurückhalten, der Bewohnerin ging es nicht anders. Im nachhinein kann ich sagen, es hat uns noch nähergebracht und ich kann viel besser nachvollziehen, warum sie auf bestimmte Situationen so reagiert, wie sie es tut.