Die weiterführende Schule (2008 – 2014)

In der neunten Klasse sollten wir ein dreiwöchiges Praktikum absolvieren. Ich machte mein Praktikum bei der Stadt Göttingen (Rathaus) in der Finanzverwaltung als Verwaltungsfachangestellte. Robin sagte zu mir, dass mir das nicht gefallen würde und außerdem nicht zu mir passe.

Er hatte recht, ich arbeite nicht gerne am Computer, ich wollte lieber mit Menschen arbeiten, als im Büro den ganzen Tag vor dem Bildschirm.

Aber ich wollte dem Praktikum eine Chance geben, vor allem, weil meine Beraterin vom Arbeitsamt, meine Lehrer und meine Eltern meinten, dass es für mich am besten wäre in einem Büroberuf, da viele andere Berufe wegen des Rollstuhls gar nicht in Frage kämen.

Ich begann das Praktikum mit einem mulmigen Gefühl, aber es gefiel mir gut, mein gutes Merkvermögen von Zahlen und Daten war eine große Hilfe. Meine Kollegen waren sehr nett, wir verstanden uns gut und ich durfte bei wichtigen Arbeiten dabei sein oder diese selbst durchführen und nicht nur Kaffee kochen, wie es sonst bei vielen Praktika abläuft. Zum Ende des Praktikums empfahlen mir meine Kollegen, mich auf einer der freien Stellen als Verwaltungsfachangestellte zu bewerben. Aber irgendetwas fehlte mir bei dieser Arbeit, ich wusste nur nicht genau was. Ich bewarb mich dann auf die Ausbildung, ein paar Wochen später wurde ich zum Einstellungstest eingeladen. Vor diesem Test kam meine Prüfungsangst wieder und ich machte mir selbst so viel Druck, dass ich diesen Test gut machen muss, damit ich nach der zehnten Klasse sofort mit der Ausbildung starten kann. Der selbstverursachte Druck wurde mir zu viel und ich fing sogar an zu weinen, der Einstellungstest verlief wegen des Drucks nicht gut. Ich bekam die Stelle nicht, auch auf meine anderen Bewerbungen bekam ich nur Absagen, für mich hieß das nun in der Schule anstrengen, damit ich mein Abi machen kann.

In der zehnten Klasse passierte wieder mehr, die zwei Jahre der Studie waren um. Die Zwischenuntersuchungen verliefen immer gut, entweder hatte ich genauso viele Punkte wie davor erzielt oder sogar mehr. Bei den Zwischenuntersuchungen gab es oft Ärger wegen meines Gewichts, da es niedrig war. Die Ärzte wollten mir sogar eine Magensonde verpassen, da war ich aber total dagegen. Wir einigten uns dann gemeinsam auf hochkalorische Drinks. Diese Drinks brachten meinen BMI wieder nach oben. Während der Zwischenuntersuchungen, eher gesagt während der Wartezeit vor den Terminen, sah ich noch andere Kinder mit meiner Erkrankung. Sie schienen alle nett, das eine Mädchen, ich schätze sie auf fünf Jahre, erinnert mich sehr an mich in diesem Alter. Sie war die ganze Zeit am Erzählen und wusste genau was sie will und was nicht. Die Abschlussuntersuchung ergab, dass ich nicht schwächer geworden bin, sondern dass ich sogar noch ein paar Punkte mehr als zu Beginn der Studie erreicht hatte. Dann durfte ich endlich den Brief öffnen in dem stand, ob ich das Medikament bekomme hatte oder nicht.

Aber da ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen konnte, hatte ich gar keine Zweifel das ich es nicht bekommen hatte, nur manchmal kam ich ins Grübeln, weil das Medikament gut geschmeckt hat. Durch das Medikament konnte ich volle Flaschen Wasser anheben und manche öffnen, dies konnte ich vorher nie. Als ich den Brief endlich öffnen durfte, war zu lesen, dass ich das Medikament bekommen hatte. Auf mein Bauchgefühl konnte ich mich halt schon immer verlassen.

Die Ärzte erzählten mir, dass das Medikament bei allen Teilnehmern positive Auswirkungen hatte und sie überlegen, die Studie weiter fortzusetzen, aber es war kein Geld mehr da, um dies zu tun.